Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Amt für Neckarausbau Heidelberg

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Inhalt: Einbindung der Wasserstraße in die Flusslandschaft

Planung und Bau der Neckarwasserstraße verfolgten schon vor 80 Jahren das Ziel, die Bauwerke in Einklang mit Natur und Landschaft zu bringen und so die Schönheit des Neckartals und seiner Stadtbilder zu erhalten.

Krafthaus und Wehr Rockenau

Bei der Gestaltung der Staustufenbauwerke wirkten namhafte Architekten mit. Die Zusammenarbeit der Neckarbaudirektion mit dem Stuttgarter Hochschulprofessor PAUL BONATZ, der zuvor den Stuttgarter Hauptbahnhof entworfen hatte, begann 1924 während der Auseinandersetzungen um den Bau der Staustufe Heidelberg. Paul Bonatz trennte die technischen Teile einer Staustufe (Wehr, Wehrsteg, Krafthaus, Schleuse, Schleusenbetriebsgebäude) auch formal voneinander, indem er jedem dieser Teile eine bestimmte Form und ein bestimmtes Material zuwies.

Die keilförmigen Wehrpfeiler, die den Betrachter an alte Wachtürme erinnern, erhielten z.T. Mauerwerk aus Naturstein oder Ziegeln. Zu ihnen kontrastieren die auf der Oberwasserseite liegenden stählernen Wehrstege in grüner oder grauer Farbe. Die Kraftwerke erhielten eine monolithische Form, markiert durch den parabolischen Bogen am Auslauf in direktem Kontakt mit dem Wasser, die Ziegelwände mit kleinen rechteckigen Öffnungen und die großen Fenster mit Eisenrahmen.

Die von Bonatz für Heidelberg erstmals gefundenen formalen Lösungen hat er dann mit der Neckarbaudirektion bei den anderen Staustufen bis Heilbronn beibehalten. Für die Eingangsschleuse Feudenheim wurde mit den sechs Türmen eine Gestaltung mit Symbolwert gefunden (Schleuse Feudenheim).

 

 

Staustufe Rockenau vom Unterstrom gesehen

Staustufe Poppenweiler vom Oberstrom gesehen

 

Staustufe Poppenweiler vom Oberstrom gesehen

Gemeinsam mit den Firmen des Stahlwasserbaus wurden in den 1950er Jahren Hubdrehtore als Untertore und versenkbare Hubtore als Obertore entwickelt, die es möglich machten, die Schleusengebäude niedrig zu halten (Staustufe Poppenweiler, PDF (369 KB) und Staustufe Stuttgart-Bad Cannstatt, PDF (186 KB)).

Die Bundeswasserstraße Neckar wird in ihrer Gesamtheit - wenn auch bisher noch nicht durch Gesetz vollzogen - als Kulturdenkmal betrachtet. So werden die unverwechselbaren Gestaltungsschwerpunkte von Paul Bonatz ebenso wenig verloren gehen, wie die besonders im Stahlwasserbau Realität gewordenen Ideen des „Vaters des Neckarausbaus“ Otto Konz. Andererseits muss sichergestellt sein, dass die Wasserstraße Neckar auch den Anforderungen der Schifffahrt des 21. Jahrhunderts gerecht werden kann.

Die Stauregelung des Neckars verschlechterte die Wassergüte nicht. Vielmehr kann dem Wasser in den Turbinenkammern mehrerer Wasserkraftwerke Luftsauerstoff beigemischt werden. Sinkt der Sauerstoffgehalt des Wassers unter einen kritischen Wert, wird das Neckarwasser durch den Wehrüberfall zusätzlich belüftet.

Etwa 2000 ha Land wurden Hochwasser frei gelegt, die dadurch für Industrie- und Wohnsiedlungen und ertragreichere landwirtschaftliche Nutzung verwendbar gemacht wurden.

Quelle: Kompendium der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest, Mainz 2007